Der schwarze Rolls-Royce war kaum ein paar Kilometer vom Villentor entfernt, als Arlan genervt in seiner Aktentasche kramte. Der Übernahmevertrag, den er heute Morgen unterschreiben musste, lag noch auf dem Schreibtisch im Schlafzimmer.
„Wenden", befahl Arlan knapp dem Fahrer.
„Jawohl, Herr Winterberg." Der Fahrer suchte sofort eine Wendemöglichkeit. Arlan lehnte sich zurück und starrte geradeaus — nicht ahnend, dass diese Kleinigkeit sein Familienleben für immer verändern würde.
* * *
Unterdessen wurde die Atmosphäre im Wohnzimmer der Villa immer erstickender. Amara kniete noch auf dem kalten Marmor, ihre Hände schmerzten, und Sofia drückte absichtlich ihren Fuß schwerer auf Amaras Schulter.
Da zerriss ein schrilles Babygeschrei die Stille — Kenzo, oben im zweiten Stock. Es war kein gewöhnliches Quengeln, sondern ein Hungerschrei, dringend und fordernd. Amara spürte sofort den vertrauten Stich in der Brust — das natürliche Signal, dass ihr Baby sie brauchte.
„Mama ... Entschuldigung, das ist Kenzo. Er scheint Hunger zu haben. Darf ich kurz unterbrechen und ihn stillen?" Amaras Stimme zitterte. Sie wollte bereits aufstehen.
„Sitzen bleiben!" Sofias Stimme schnitt wie eine Klinge. „Ich habe gesagt, mein Fuß ist noch nicht besser. Du massierst seit ein paar Minuten und willst schon weg? Lass eine Bedienstete sich um das Baby kümmern. Du musst lernen, die Älteren zu respektieren!"
„Aber Mama, Kenzo verweigert die Flasche, er wartet bestimmt auf mich ..." Tränen liefen über Amaras Wangen. Kenzos Weinen oben wurde lauter, zerriss ihr Mutterherz. Sie war gefangen zwischen erzwungenem Gehorsam und einem Instinkt, der in ihr tobte.
„Heul nicht! Du bist so schwach, genau wie ein Dorfmädchen ohne jede Erziehung." Sofia verzog spöttisch den Mund und drückte demonstrativ ihren Fuß…
Durst des Herrn
Kapitel 52: Raus aus der Villa
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