Die Atmosphäre beim Abendessen im großen Speisesaal der Villa Winterberg stand in scharfem Kontrast zur Pracht der Umgebung. Über dem langen Eichentisch, geschmückt mit silbernen Kerzenleuchtern und Sterneküche, klang das Klirren von Silberbesteck auf Porzellan wie das Ticken einer Zeitbombe. Arlan saß am Kopfende, Amara neben ihm — sie fühlte sich winzig unter dem gewaltigen Kristallleuchter. Ihnen gegenüber beobachteten Sofia und Friedrich Winterberg jede ihrer Regungen.
Sofia nippte an ihrem Rotwein, die scharfen Augen nicht eine Sekunde von Amara abgewandt. „Also, Amara", begann sie mit einer Stimme, die ruhig klang und doch wie eine Nadel stach. „Arlan sagt, du seist jetzt seine Freundin. Natürlich möchte ich etwas mehr über die Frau erfahren, der es gelungen ist, das Herz des einzigen Winterberg-Erben zu stehlen. Erzähl uns ein wenig von deiner Familie."
Amara knetete die Serviette auf ihrem Schoß. Ehrlichkeit war die einzige Waffe, die sie besaß — auch wenn sie wusste, dass sie damit in den Augen dieser Frau nur tiefer sank.
„Ich komme vom Dorf, gnädige Frau." Amaras Stimme bebte leicht, blieb aber klar. „Zu Hause lebe ich mit meiner Mutter und meinen beiden jüngeren Geschwistern, die noch zur Schule gehen. Ich habe einen Realschulabschluss. Meine Mutter ... sie arbeitet als Wäscherin bei einer Familie im Ort, um uns über Wasser zu halten."
Stille. Die Bediensteten in den Ecken hielten den Atem an. Sofia hob beide Augenbrauen, als habe Amara gerade etwas Anstößiges gesagt.
„Wäscherin?" Sofia wiederholte das Wort mit einem Ton, der hauchzart und doch von einer versteckten Verachtung durchzogen war. Sie stellte ihr Glas ab und beugte sich vor. „Und vermisst du deine Mutter und deine Geschwister nicht? Ein junges Mädchen, allein in der Großstadt, angestellt im Haush…
Durst des Herrn
Kapitel 39: Heiraten?
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